Chancengleiche Hochschulbildung

Die Katholische Jungschar Österreich bekennt sich zum Stellenwert von Bildung als Chance zur Weiterentwicklung jedes/r Einzelnen und unserer Gesellschaft. Bildung dient jungen Menschen nicht nur zur Vorbereitung auf das Arbeitsleben, sondern bietet auch die Möglichkeit, Zusammenhänge zu verstehen, Dinge kritisch zu hinterfragen sowie Standpunkte und die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln.
Die Katholische Jungschar setzt sich  für „ein ganzheitliches, nicht allein an intellektueller Leistung oder wirtschaftlicher Verwertbarkeit orientiertes Verständnis von Bildung“ ein, das auch die „Erziehung zu Toleranz, Achtung anderer und Solidarität“ mit ein bezieht und sich an ethischen Grundwerten orientiert.
Daneben bedeutet Bildung im 21. Jahrhundert den Zugang zu materieller Besserstellung, ein Weiterkommen in der Gesellschaft und nicht zu zuletzt eine Weiterentwicklung im volkswirtschaftlichen Sinn. Bildung ist heute sowohl der Motor der Wirtschaft als auch der Motor der Gesellschaft hin zu einem Aufbrechen alter Strukturen und einem Hinterfragen neuer. Nur mit einem möglichst hohen Maß an Bildung kann Wissen vermehrt werden. Den Universitäten in Österreich kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.
Basierend auf diesem christlich-humanistischen Verständnis von Bildung, spricht sich die Katholische Jungschar Österreich für das grundlegende Recht eines/r jeden Einzelnen auf Bildung ein und fordert für alle Studienfähigen einen chancengleichen Zugang zu Hochschulbildung – ungeachtet ihrer sozialen Schicht oder des Bildungsniveaus der Eltern. Als Kinderorganisation, die das Wohl und die persönliche Entwicklung von Kindern in den Mittelpunkt stellt, betrachtet die Katholische Jungschar Universitäten nicht als eine reine Ausbildungsstätten, sondern als Institutionen, die auch und vor allem auf eine Weiterentwicklung des Menschen und somit auf Bildung im weiteren Sinne abzielt. Als wesentlichen Faktor dazu erachten wir die Möglichkeit verschiedenen, besonders ehrenamtlichen, Engagements neben dem Studium – welches ja auch wiederum der Gesellschaft zugute kommt.
In der aktuellen Situation Studierender sieht die Jungschar Chancengleichheit und Möglichkeit zu ehrenamtlichem Engagement kaum mehr gegeben. Die Teilnehmerbeschränkung in Seminaren und Prüfungen widersprechen dem freien Hochschulzugang; Studiengebühren und die Notwendigkeit, den Lebensunterhalt zu finanzieren, erschweren auch ehrenamtliches Engagement beträchtlich.

Forderungen der Katholischen Jungschar Österreichs

1)Streichen der Studiengebühren und Unterstützung bei der Finanzierung des Lebensunterhaltes Studierender

Im Sinne der Bildungsgerechtigkeit fordert die Katholische Jungschar Österreich den chancengleichen Zugang zu Hochschulbildung für alle Studierwilligen. Als entscheidenden Schritt dorthin bewertet die Jungschar die Streichung der Studiengebühren, wie sie im Jahr 2001 eingeführt wurden. In den Gebühren sieht die Jungschar einen Mechanismus von Selektion, der sozial Schwachen den Zugang zu höherer – akademischer – Bildung verschließt. Der finanzielle Druck, unter dem viele Studierende bereits heutzutage stehen, darf sich nicht negativ auf das Studium auswirken oder gar zum Abbruch führen. Studierenden muss neben dem Studium die Möglichkeit zur freien Persönlichkeitsentwicklung und aktivem ehrenamtlichem Engagement gewährt werden.

Die Katholische Jungschar fordert weiters, den Kreis der Stipendien-BezieherInnen auszuweiten und die Stipendien maßgeblich zu erhöhen. Als ganzheitlich aufgefasste Bildung befähigt ein Universitätsstudium Individuen zum aktiven und sinnstiftenden Mitgestalten der Gesellschaft und kommt somit allen zugute. Das finanzielle Ermöglichen einer solchen Bildung sollte in der Gesellschaft einen entsprechenden Stellenwert haben.

Dezidiert spricht sich die Katholische Jungschar gegen ein Studienkreditsystem aus, auch wenn es an eine einkommensabhängige Rückzahlung gekoppelt wäre. Zwar würde ein solcher Studienkredit möglicherweise den Zwang zum Abschluss erhöhen, dies widerspräche aber der eigentlichen Intention eines Studiums als grundlegendes Menschenrecht auf Bildung. Zudem gerieten gerade junge Familien und Berufsanfänger dadurch vermehrt in Schuldenfallen.

2)Ehrenamtliches Engagement ermöglichen

Neben der fachlichen Wissensaneignung muss in der Studienzeit auch die Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit ermöglicht werden. Dazu ist es notwendig, dass die Studienbedingungen an den Universitäten sowie der finanzielle Druck, Studiengebühren und den Lebensunterhalt zu bestreiten, einem ehrenamtlichen Engagement Studierender nicht im Weg stehen – auch die Ausweitung der Stipendiendauer bei Nachweis eines ehrenamtlichen Engagements. Gerade in diesem Bereich erfahren junge Menschen eine Bildung innerer Werte und persönlicher Fähigkeiten, die sie nicht nur ins spätere Berufsleben einbringen, sondern bereits im ehrenamtlichen Tun aktiv der Gesellschaft zur Verfügung stellen können. Die Katholische Jungschar sieht im ehrenamtlichen Engagement einen wesentlichen Dienst an der Gesellschaft, ohne den diese sozial verarmen würde.

3)Studienbedingungen grundlegend verbessern

(Notwendige) Begrenzungen von Seminar- ,Übungs- und Studienplätzen schränken den freien Unizugang in Teilbereichen massiv ein. Dazu kommen eine begrenzte Anzahl von Prüfungsplätzen sowie zuwenig Betreuer für DiplomantInnen.
Die Katholische Jungschar Österreich fordert die Hochschulen dazu auf, für alle Studierenden Rahmenbedingungen zu schaffen, die einen optimalen Studienverlauf garantieren. Dazu sind die in vielen Fächern indiskutable Betreuungssituation, Raumnot, überfüllte Hörsäle sowie mangelhafte Infrastruktur, etwa in den Bibliotheken, grundlegend zu verbessern. Die Katholische Jungschar Österreich fordert daher eine deutliche Erhöhung des Hochschulbudgets.

Die Katholische Jungschar spricht sich des Weiteren für den Ausbau der studentischen Partizipation in allen universitären Belangen aus. Die Mitbestimmung bei der Berufung von ProfessorInnen muss ebenso wieder eingeführt werden wie die Österreichische HochschülerInnenschaft als gesetzliche Interessenvertretung in demokratisch gewählter, finanziell und politisch unabhängiger Form gewährleistet sein muss.
Statt einer Reduzierung des Fächerangebots an einzelnen Universitäten spricht sich die Jungschar für ein breites Spektrum an Wahlmöglichkeiten aus.

beschlossen von der Bundesleitung, 11. Mai 2007