Kommt, wir zeigen euch unsere Welt!

Jahresthema 2026/2027 zur Säule "Lebensraum für Kinder"

Jungschar möchte ein Ort sein, an dem Kinder sich sicher fühlen, sich entfalten können und ernst genommen werden. Wir gestalten Lebens- und Erfahrungsräume, in denen Kinder spielen, wachsen, lernen und ihre Welt entdecken können. Doch Lebensraum für Kinder bedeutet nicht nur, Räume für Kinder zu schaffen – sondern sie auch gemeinsam mit ihnen zu gestalten. Genau darum geht es in unserem Jahresthema: ‚Kommt, wir zeigen euch unsere Welt!‘

Kinder kennen ihre Lebenswelt besser als jede:r andere. Sie haben einen eigenständigen Blick auf die Welt, geprägt von Neugier, Kreativität und ihren ganz eigenen Bedürfnissen. Kinder sehen nicht nur, wie die Welt ist, sondern auch, wie sie sein könnte. Ihre Wünsche und Träume zeigen, was ihnen für ein gutes Leben wichtig ist. Diese Sichtweisen sind eine große Bereicherung. Kinder eröffnen oft einfache, kreative und neue Zugänge zur Welt – Perspektiven, die auch Erwachsenen neue Sichtweisen ermöglichen.

Das Jahresthema stellt diesen Blick in den Mittelpunkt. Es lädt dazu ein, bewusst die Perspektive zu wechseln und die Welt aus der Sicht von Kindern zu sehen. Den Blick zu verändern bedeutet, Situationen nicht nur aus Erwachsenensicht zu betrachten, sondern sich in Kinder hineinzuversetzen: genauer hinzuhören, hinzuschauen und zu verstehen, wie Kinder ihren Alltag, ihre Beziehungen und ihre Umwelt erleben.

Dieser Perspektivenwechsel ist mehr als eine persönliche Haltung, denn er betrifft das gesellschaftliche Zusammenleben insgesamt: Kinder und Jugendliche sind eine eigenständige Gruppe, deren Lebensrealitäten oft zu wenig sichtbar sind. In einer zunehmend erwachsenenorientierten Gesellschaft werden ihre Anliegen leicht übersehen. Umso wichtiger ist es, ihnen bewusst Raum zu geben und ihre Perspektiven sichtbar zu machen.

Das Jahresthema setzt hier einen klaren Gegenakzent: Kinderperspektiven werden ernst genommen und als wichtige Grundlage für Entscheidungen verstanden – im Alltag, im Verein, in Pfarreien, in Gemeinden und im öffentlichen Leben. Dabei geht es nicht nur um anderes Denken, sondern auch um anderes Handeln: im Umgang miteinander, in Entscheidungen und in der Gestaltung von Lebensräumen.

So wird es konkret:

  • Kinder sagen, was sie sich wünschen und was ihnen wichtig ist – und das wird ernst genommen
  • Erwachsene hören aufmerksam zu und versuchen, Kinder wirklich zu verstehen
  • Bei Entscheidungen wird mitgedacht: Was bedeutet das für Kinder?
  • Kinder erleben, dass ihre Meinung etwas bewirkt und Veränderungen anstößt

Kinderschutz als Grundlage
Kinderschutz ist die Voraussetzung dafür, dass Kinder ihre Perspektiven überhaupt einbringen können. Nur wenn Kinder sich sicher, respektiert und in verlässlichen Beziehungen aufgehoben fühlen, können sie ihre Sicht auf die Welt offen zeigen.

Das bedeutet: Kinder erleben, dass ihre Grenzen geachtet werden und dass sie sich auf Erwachsene verlassen können. Sie werden nach ihren Wünschen und Ideen gefragt und merken, dass diese gehört werden. Ihre Gefühle und Rückmeldungen werden ernst genommen und nicht übergangen. Klare Strukturen geben Orientierung und Halt. Erwachsene bleiben aufmerksam, hören hin und übernehmen Verantwortung.


So setzen wir das Thema um

Der Perspektivenwechsel zeigt sich im Tun – im Alltag mit Kindern in der Gruppenstunde, in der Pfarrei und in der Gemeinde.

In der Gruppenstunde oder bei Aktionen

  • Wir planen aus der Perspektive von Kindern und fragen uns vorab: Ist der Weg/die Fahrt zu lang? Haben wir genug Pausen eingeplant? Ist das Programm spannend und abwechslungsreich? Was macht den Kindern Spaß oder wo fühlen sie sich möglicherweise unwohl? Gibt es Alternativen für Kinder, die Angst haben? Ist das Gelände ungefährlich und übersichtlich?
  • Wir fragen Kinder nach ihren eigenen Ideen und Themen und diese lassen wir in die Gestaltung einfließen: „Was möchtet ihr im Jungschar- oder Minijahr gemeinsam erleben?“
  • Wir bleiben flexibel und passen Pläne an, wenn Kinder etwas anderes brauchen oder sich neue Situationen ergeben. „Wir merken ihr seit heute voller Energie. Bevor wir die geplante Bastelarbeit beginnen, gehen wir kurz raus und machen ein Schreispiel.“
  • Wir achten auf Signale: Kinder zeigen oft durch ihr Verhalten oder ihre Stimmung, wie es ihnen geht – darauf gehen wir bewusst ein. Wenn ein Kind plötzlich sehr still ist, fragen wir behutsam: „Alles okay bei dir?“  oder wenn ein Kind enttäuscht oder traurig wirkt, nehmen wir uns Zeit: „Magst du erzählen, was los ist?“
  • Wir fragen am Ende nach: „Was war super? Was hat euch heute nicht gefallen? Was müsste das nächste Mal anders sein, dass es dir /euch besser gefallen würde?“

In den Gruppenräumen

  • Wir schauen uns den (Gruppen-) Raum mit den Kindern gemeinsam an: Ist er kindgerecht und einladend gestaltet? Welche Plätze gefallen vielleicht nicht so gut? Könnten wir daran was ändern?
  • Wir schaffen Räume und Angebote zum Wohlfühlen: Gibt es eine Möglichkeit zum Rückzug? Haben wir Rituale zum Begrüßen oder Verabschieden? Welche Gruppenregeln sind uns wichtig?
  • Wir gestalten den Raum mit den Kindern gemeinsam: Dekorationen basteln, Bilder malen, Möbel umstellen oder Veränderungen einfach ausprobieren.

In der Pfarrei oder Gemeinde

  • Wir nutzen für Gottesdienste eine Sprache und Bilder, die Kinder verstehen.
  • Wir geben Kindern Rollen und Aufgaben in religiösen Feiern: „Möchtet ihr die Fürbitten selbst schreiben und vorlesen? Welche Lieder würden euch zu diesem Thema gefallen?“
  • Wir hacken bei Sitzungen in der Pfarrei oder Gemeinde nach: Welche Veränderung bedeutet diese Entscheidung für unsere Kinder? Haben wir die Kinder nach ihrer Meinung dazu befragt?
  • Wir sind mit den Kindern draußen unterwegs und fragen uns gemeinsam: Sind die Spielplätze und Wege vor Ort für Kinder sicher erreichbar und kindgerecht gestaltet? Wurden Kinder mit einbezogen?
  • Wir schaffen Sichtbarkeit: Wo brauchen Kinder im Dorf (mehr) Platz? Wo werden sie ignoriert?

Lasst uns hinhören, wenn Kinder uns ihre Welt zeigen – und ihre Sichtweisen, Wünsche und Träume ernst nehmen und in unserem Handeln berücksichtigen.

Aktion zum Jahresthema

Kinder gestalten das Kinderfest, welches im Mai 2027 stattfindet, mit. Ihre Ideen, Wünsche und Sichtweisen fließen bereits im Vorfeld in unsere Planung mit ein. So entsteht ein Fest, das nicht nur für Kinder gemacht ist, sondern von ihnen mitgestaltet. Mach auch du mit deiner Gruppe mit! Nehmt euch in einer Gruppenstunde Zeit, um mögliche Ideen für das Kinderfest zu sammeln. Unter www.vieldrin.jungschar.it findest du eine passende Gruppenstunde mit partizipativen Methoden. Tragt eure Vorschläge bis zum 30. November in das Formular auf unserer Homepage ein.