„Wünschst du dir Frieden?“ Fast alle Menschen würden diese Frage mit „Ja“ beantworten – doch die Realität sieht leider anders aus. Viele erleben keinen Frieden, sei es durch Krieg, Gewalt, Streit oder Ungerechtigkeit. Konflikte gibt es überall. Dabei geht es nicht nur um weltpolitische Krisen, sondern auch um die täglichen Herausforderungen in Familie, Freundeskreis und im eigenen Inneren. Doch was genau bedeutet Frieden? Wie fühlt er sich an, im Kleinen wie im Großen? Und wie kann jede:r Einzelne zum Frieden beitragen?
Was ist Frieden? Und wie sieht eine Welt des Friedens aus?
Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Frieden bedeutet ein Leben ohne Angst, in dem Menschen respektvoll und fair miteinander umgehen, Konflikte gewaltfrei lösen und Verantwortung übernehmen.
Eine Welt des Friedens zeichnet sich durch Respekt, Menschenrechte, Gerechtigkeit und ein gutes Leben für alle aus. Konflikte werden durch Dialog und Verständnis geklärt, ohne Gewalt oder Waffen. Die Gesellschaft setzt sich für Gleichberechtigung und soziale Gerechtigkeit ein, indem Chancen und Machtverhältnisse fair verteilt sind sowie Bildung, Schutz und Mitbestimmung allen zugänglich gemacht werden. Besonders Kinder müssen geschützt werden, damit sie ohne Angst, Gewalt und Unterdrückung aufwachsen, ihre Rechte wahrnehmen und sich frei entfalten können. Nur so können sie zu Erwachsenen werden, die zu einer friedlichen Welt beitragen.
Leider ist eine Welt des Friedens nicht überall gegeben: In vielen Ländern herrscht Krieg, weil Konflikte um Macht, Ressourcen oder politische Ideologien bestehen. Kriege, Armut und Ungerechtigkeit führen dazu, dass Millionen Menschen auf der Flucht sind, unter Gewalt und Unsicherheit leiden. Auch in Ländern ohne Krieg erleben Menschen Gewalt, oft in ihrem unmittelbaren Umfeld. Besonders Kinder sind von Gewalt betroffen – durch Krieg, häusliche Gewalt, Mobbing oder andere Ungerechtigkeiten. Sie verlieren ihr Zuhause, ihre Familien oder können nicht zur Schule gehen.
Frieden im Alltag – Wie kann jede:r einzelne Frieden leben?
Frieden ist eine Folge davon, wie wir mit uns, unseren Mitmenschen, Tieren, der Umwelt und der Natur umgehen. Frieden muss also gelebt werden – von uns allen. Frieden erfordert Mut, da er oft bedeutet, schwierige Entscheidungen zu treffen oder für andere einzustehen. Doch Frieden gibt auch Sicherheit und Geborgenheit.
Jesus selbst lehrte die Bedeutung des Friedens. In der Bergpredigt sagte er: „Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.“ (Matthäus 5,9). Dies bedeutet, dass Frieden nicht nur ein Ideal ist, sondern eine Aufgabe für uns alle.
Viele denken bei Frieden oft an große Veränderungen und dass sie alleine nichts bewirken können. Aber Frieden fängt bei jedem einzelnen Menschen an. Frieden beginnt mit ganz kleinen, alltäglichen Taten: Jede freundliche Geste, jedes Zuhören, jede Hilfe kann etwas bewirken. Konflikte sollten gewaltfrei durch Kommunikation und Empathie gelöst werden, indem Streit geschlichtet und nach fairen Lösungen gesucht wird. Zivilcourage ist gefragt, wenn andere ungerecht behandelt werden. In einer friedlichen Gemeinschaft ist es wichtig, zu teilen, aufeinander Rücksicht zu nehmen und solidarisch zu handeln. Dabei wird jeder Mensch mit gleich viel Respekt behandelt, denn das ist eine der wichtigsten Grundlagen für Frieden – jeder Mensch ist wertvoll und verdient Achtung. Frieden entsteht also nicht irgendwo, sondern im Jetzt und bei uns.
Die Goldene Regel
Eine einfacher, aber tiefwirkender Grundsatz für ein friedliches Zusammenleben ist die „Goldene Regel“, die in vielen Religionen und Kulturen existiert. Sie lautet: „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“ Die Goldene Regel wird in den Heiligen Schriften verschiedener Religionen unterschiedlich formuliert – so steht in der Bibel: „Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen!“ (Matthäus-Evangelium, Neues Testament) Die Goldene Regel hat jedoch immer die gleiche Bedeutung: Sie ermutigt uns, Empathie und Respekt in den Mittelpunkt unseres Handelns zu stellen.
Unsere Verantwortung als Jungschar – Gemeinsam für den Frieden
Frieden entsteht nicht von selbst – er muss aktiv gelebt und gestaltet werden. Wir als Katholische Jungschar setzen uns für eine friedvolle Gemeinschaft und gelebte Solidarität ein:
- Wir setzen uns gegen Ausgrenzung ein und sehen Vielfalt als Stärke: Jeder Mensch wird wertgeschätzt und angenommen, unabhängig von Hautfarbe, Herkunft, Religion, Behinderung usw. – ganz im Sinne unseres Leitsatzes „Jungschar ist für alle da“.
- Klares NEIN zu Gewalt: Gewalt, egal in welcher Form, darf in der Gemeinschaft keinen Platz haben. Grenzen werden klar aufgezeigt und bei Grenzverletzungen wird eingegriffen.
- In Konfliktsituationen suchen wir nicht nach Schuldigen, sondern legen den Fokus darauf, gemeinsam faire und gewaltfreie Lösungen zu finden.
- Kinder erleben durch gemeinschaftliche Spiele, dass Fairness und Miteinander wichtiger sind als Konkurrenz und Siegen.
- Zivilcourage ist gefragt, um aktiv Ungerechtigkeit entgegenzutreten und für die Rechte und das Wohl anderer einzustehen. Deshalb ermutigen wir Kinder, mutig ihre Stimme zu erheben und gemeinsam ein friedliches, respektvolles Miteinander zu gestalten.
- Durch Aktionen wie das Sternsingen leben wir weltweite Solidarität. Durch die Spendenaktion werden Menschen auf der ganzen Welt unterstützt und neue Zukunftsperspektiven ermöglicht. Das Kennenlernen verschiedenster Lebenssituationen und Kulturen ist ein wichtiger Schritt in Richtung Toleranz und gegenseitigem Verständnis.
- Gruppenleiter:in können Kinder begleiten und Vorbild sein: Es ist wichtig, mit Kindern über Frieden zu sprechen, ihnen zuzuhören, ihre Fragen ernst zu nehmen und nach Lösungen zu suchen. Wir können ihnen zeigen, wie man sich für Gerechtigkeit einsetzt – sei es durch Spenden, ehrenamtliches Engagement oder den bewussten Umgang mit Ressourcen. Gruppenleiter:innen spielen dabei eine entscheidende Rolle: Sie sind Vorbilder und zeigen durch ihr eigenes Verhalten, wie Respekt, Mitgefühl und ein friedliches Miteinander im Alltag gelebt werden können. Wenn Kinder erleben, dass ihr Umfeld friedvoll und solidarisch handelt, lernen sie, selbst aktiv zu werden.
Frieden beginnt im Kleinen – kann aber Großes bewirken. Indem wir den Frieden im Alltag leben, tragen wir dazu bei, dass unsere Gemeinschaft und letztlich die ganze Welt ein Stück sicherer, freier und menschlicher wird.