Die Katholische Jungschar Südtirols (KJS) besteht seit 1953 und ist mit über 300 Jungschar- und Ministrantengruppen die größte Kinderorganisation in Südtirol, die sich mit der außerschulischen kirchlichen Arbeit mit Kindern im Alter von 8 bis 14 Jahren beschäftigt.

Um die 9.000 Kinder treffen sich in regelmäßigen Gruppenstunden und werden von über 1.900 Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter ehrenamtlich betreut.

Die Kinder stehen im Mittelpunkt unserer Arbeit. Deshalb legen wir sehr viel Wert auf die Aus- und Weiterbildung der Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter. Die nötige Kompetenz und Sicherheit im Umgang mit den Kindern erhalten sie durch den Besuch der Diözesanen Weiterbildungsangebote.

Unser Leitbild - die vier Säulen

Jungschar ist Lebensraum für Kinder
Wir schaffen vielfältige Erlebnisräume für Kinder. In unseren Jungschargruppen achten wir auf eine Kultur des Miteinanders und fördern einen verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung. Wir betonen die spielerische Auseinandersetzung mit der konkreten Lebenswelt der Kinder und ermöglichen wichtige Erfahrungen des sozialen Lernens.

Jungschar ist Kirche mit Kindern
Wir bestärken Kinder in ihrer religiösen Entwicklung. Wir ermutigen sie im Fragen und Suchen nach dem Sinn des Lebens. Im gemeinsamen Gespräch und in der Feier teilen wir mit den Kindern unser Vertrauen auf den uns zugewandten Gott. Wir bemühen uns um eine kindgerechte Gestaltung der Liturgie und des Gemeindelebens in der Pfarrei.

Jungschar ist Lobby im Interesse der Kinder
Wir setzen Impulse für eine kinderfreundliche Gesellschaft. Wir fördern die Mitbestimmung der Kinder in ihrem Lebensumfeld, indem wir Kinder zur Auseinandersetzung mit ihrer Lebenswelt anregen und bei der Vertretung ihrer Anliegen unterstützen. Wir bringen die Lebensbedingungen von Kindern zur Sprache und setzen uns für eine Politik ein, die sich an den Bedürfnissen der Kinder orientiert.

Jungschar ist Hilfe getragen von Kindern
Wir setzen uns solidarisch für die Länder des globalen Südens ein und leisten einen Beitrag für eine gerechte Welt. Wir tun dies vor allem im Rahmen der Aktion Sternsingen, die vom Einsatz der Kinder als Sternsingerinnen und Sternsinger getragen ist. In unseren Bildungsangeboten diskutieren wir mit den Kindern über globale Zusammenhänge und zeigen Alternativen wie den fairen Handel auf.

Das vollständige Leitbild der Katholischen Jungschar ist unter www.jungschar.at einsehbar.

FAQ "Jungschar ist für alle da"

FAQ zum Thema: Ist die Jungschar für alle (auch nicht katholische) Kinder da?

Erarbeitet und diskutiert im Rahmen des Schwerpunktthemas der KJSÖ im IDF (2012). Arbeitsgruppe bestehend aus Kathi Bereis, Christina Schneider, Elke Giacomozzi.

Diese FAQs sind für Gruppenleiterinnen/Gruppenleiter geschrieben, die mit Fragen konfrontiert werden.

Wenn nicht katholische Kinder in die Jungschar gehen (wollen), kann das eine Menge Fragen aufwerfen. Es kann sein, dass euch Leute aus eurer Pfarre darauf ansprechen. Damit es euch leichter fällt, solche Fragen zu beantworten, haben wir hier einige gesammelt und versucht, diese zu beantworten. Hoffentlich bestärken euch diese Argumente in eurer Arbeit und schenken euch das Selbstvertrauen, die Jungschar in einen Ort zu verwandeln, der ein Ort für alle sein kann

Warum soll die Katholische Jungschar für nicht katholische Kinder da sein?

In der Jungschar wollen wir alle Kinder vorbehaltlos annehmen. Wir verfolgen die Vision eines solidarischen Miteinanders, somit ist der Schluss klar, dass auch alle Kinder in die Jungschar gehen dürfen, solange sie das gerne möchten. Außerdem kann es auch für nicht katholische Kinder spannend sein, hier Neues aus einer anderen Religion kennenzulernen.

Jesus Christus ist uns hier ein Vorbild, auch er hat keinen Unterschied zwischen den Menschen gemacht und jede/n so angenommen, wie er/sie ist. Das soll auch in der Jungschar ein Leitmotiv sein: Wir wollen niemanden ausschließen oder ausgrenzen. Auch wenn das manchmal herausfordernd sein kann, wollen wir uns diesen Aufgaben stellen und sie gemeinsam bewältigen.

Was sollen Eltern wissen? Was sage ich den Eltern?

Prinzipiell finden wir nicht, dass du den Eltern erzählen musst, welche Kinder in die Jungschar gehen. Wenn Eltern ihre Kinder in die Katholische Jungschar schicken, dann nehmen sie wahrscheinlich an, dass die anderen Kinder dort auch katholisch sind.  Das heißt, dass wir unseren Kindern einen christlichen Umgang miteinander weitergeben wollen, das spiegelt sich in dem, wie wir miteinander spielen, Themen erarbeiten und uns miteinander auch über religiöse Fragen austauschen. Darum können auch Kinder aus anderen Religionen in die Jungschar kommen.

Wenn dich Eltern oder Kinder darauf ansprechen, ob auch nicht katholische Kinder in die Jungschar gehen dürfen, dann kannst du dich auf die Offenheit der Jungschar berufen und auch diese Antworten verwenden. Wie du ja jetzt schon gelesen hast, gibt es viele Argumente dafür, warum auch nicht katholische Kinder in die Jungschar gehen dürfen. Prinzipiell ist zu beachten: Je nachdem, wieviel du generell den Eltern deiner Kinder über die Jungschar berichtest, soviel solltest du ihnen auch mitteilen. Generell ist Elternarbeit ein wichtiges Thema und sollte nicht zu kurz kommen. Trotzdem sollte es eine Balance geben, nur weil ein Kind nicht katholisch ist, braucht es hier keine andere Behandlung als ein Kind mit katholischem Glaubensbekenntnis.

Wie kann ich mich sinnvoll in der Jungschar mit religiösen Themen beschäftigen?

In der Jungschar wollen wir unseren Glauben gemeinsam leben. Das bedeutet für uns besonders Gemeinschaft, Gespräche, Treffen, Spaß und Entwicklung am Menschen, aber auch ruhigeres Tun und kindgemäßes Beten. Unsere Kinder zu begleiten und zu fördern heißt auch, sie im Glauben zu stärken und ihnen zu ermöglichen, auf ihre Art den christlichen Glauben zu entdecken und hineinzuwachsen. Wir wollen christliche Werte kindgerecht spielerisch vermitteln und leben, um den Kindern einen ihnen entsprechenden Weg in die Kirche anzubieten. (Jungschar-Manifest Wien)

Fragen nach dem Leben und der Welt beschäftigen alle, egal ob alt oder jung, ganz oft sind das zutiefst religiöse Fragen. Fragen mit denen wir uns alle beschäftigen, die auch unabhängig von jeder Religion wichtig sind. Gerade für Kinder sind diese Aspekte spannend. In der Jungschar soll Kindern somit auch ein Raum gegeben werden, der es ihnen ermöglicht, sich mit diesen Themen spielerisch und altersgerecht auseinanderzusetzen.

Wenn du dich mit konkreten Themen beschäftigst, kann es sicherlich auch bereichernd sein, Kinder mit anderen Religionen zu haben, denn hier kann es zu einem spannenden Austausch kommen, und ihr könnt sicherlich viel Neues voneinander erfahren.

Wie ist das mit liturgischem Feiern?

Das Feiern ist ein wichtiger Bestandteil unseres Glaubenslebens, darauf soll auch im Rahmen der Katholischen Jungschar nicht verzichtet werden. Jungscharmessen sind in den meisten Pfarren ein fester Bestandteil des Jahresprogramms. Natürlich ist es hier für Kinder, die in deine Gruppe gehen, aber nicht katholisch sind, nicht immer möglich mitzufeiern.

Trotzdem gibt es Feierformen, bei denen alle mitmachen können. Zum Beispiel Abend- und Morgenlob am Jungscharlager, ökumenische oder interreligiöse Gottesdienste und gemeinsames Beten.

Natürlich ist das nicht ganz einfach und du solltest sehr gut darauf achten, welche Texte und Gebete du für diese „freieren“ Formen aussuchst. Hab aber trotzdem keine Angst davor und versuche dich mal daran. Du wirst sehen, dass sich sowohl du als auch deine Kinder davon sicherlich viel mitnehmen können. Wenn du Fragen hast, oder du Gebete suchst, dann suche dir bitte Unterstützung in deiner Pfarre. Wir haben auch ein Materialpaket zu diesem Thema zusammengestellt, das dir sicherlich inhaltlich viel weiterhelfen kann. Darin findest du auch eine Tippliste, die sicherlich hilfreich bei diesen Aspekten ist.

Ist die Jungschar dann katholisch?

Was wir im Rahmen der Jungschar tun, ist immer ein Handeln im katholischen kinderpastoralen Auftrag. Unsere Wurzeln sind der katholische Glaube und der wird nicht dadurch weniger, dass auch andersgläubige Kinder in die Jungschar gehen.

Altbischof Dr. Johann Weber, ehem. Vorsitzender der Bischofskonferenz, sagte in seiner Rede zum „Ausländersonntag“ 1995: „,Katholisch´ meint zunächst nicht den Namen einer Konfession, sondern steht für unseren Glauben, dass Christus uns vor jeder staatlichen oder nationalen Zugehörigkeit zu einer Einheit verbindet, die alle Menschen ersonnenen Abgrenzungen und hochgehaltenen Unterschiede zweitrangig werden lassen.“

Das Christentum will das Heil und die Erlösung jedes/r Einzelnen. Das Christentum ist eine zutiefst politische Religion, die immer auch die Welt verändern will zugunsten aller Menschen.

Pastorales Selbstverständnis

Wir sorgen uns um ein gutes Leben der Kinder

In der Bibel finden wir Anhaltspunkte, wie Jesus mit Kindern umgegangen ist. Weil wir unsere Beziehungen zu den Kindern im Vertrauen auf einen den Menschen zugewandten Gott gestalten, kann unser Bemühen seelsorglich genannt werden.

Wir sorgen und bemühen uns um Kinder, indem wir ihnen Raum geben, Programme und Aktivitäten anbieten und uns Zeit nehmen, mit ihnen in der Freizeit etwas zu unternehmen.

Wir begleiten Kinder ein Stück auf ihrem Lebensweg, indem wir uns bewusst für ihre Lebensumstände interessieren und ihren Bedürfnissen Platz und Gehör verschaffen.

Wir beteiligen Kinder in Kirche und Gesellschaft, indem wir ihnen so, wie sie sind, eine unverzichtbare Rolle in Kirche und Gesellschaft zusprechen und sie ernstnehmen, bestärken und ermutigen.

So wie wir auf Kinder zugehen, wollen wir ihnen in ganzheitlichem Sinn Gutes tun. Wir schaffen Rahmenbedingungen dafür, dass die Kinder sich leiblich, geistig und seelisch entfalten, also „groß und stark“ werden können. Dieses Sich-Sorgen um ein gutes Leben der Kinder nennen wir einen Heilsdienst, den wir nicht nur an den Kindern, sondern auch gemeinsam mit ihnen und durch sie leisten. Wir sind Kirche und können damit unser gesamtes Tun als pastorales Geschehen beschreiben.

Da brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die Hände auflegte. Die Jünger aber wiesen die Leute schroff ab. Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes. Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie. (Mk 10,13-16)

Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen: wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat. (Mk 9,36-37)

In der Bibel finden wir Anhaltspunkte, wie Jesus mit Kindern umgegangen ist. Weil wir unsere Beziehungen zu den Kindern im Vertrauen auf einen den Menschen zugewandten Gott gestalten, kann unser Bemühen seelsorglich genannt werden. Für die alltägliche Praxis heißt das, dass wir:

  • Kinder vorbehaltlos annehmen
  • Kinder in die Mitte unserer Betrachtungen und Aktivitäten stellen
  • uns Kindern zuwenden und sie segnen
  • gegen all jene auftreten, die Kinder ausgrenzen oder gewaltsam disziplinieren wollen
  • in Kindern die Hoffnung und die Chance auf eine gute Zukunft sehen

Mit dieser Grundhaltung Kindern gegenüber wissen wir uns in der Nachfolge Jesu. So sind wir als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jungschar für die Kinder Trägerinnen und Träger, Verkünderinnen und Verkünder der befreienden und frohmachenden Botschaft Jesu, der gekommen ist, „…damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh. 10,10).

Diese Verkündigung des Evangeliums vollzieht sich im politischen Handeln genauso wie in der religiösen Erfahrung. Im Blick auf die Kinder verstehen wir darunter:
Kindern in ihrer persönlichen Lebenssituation beizustehen, ihnen Raum für eine vielfältige, gute Entwicklung zu schaffen und ihnen Anregung und Orientierung zu geben, damit sie sich in der Hoffnung auf ein gutes Leben entfalten können.
Kinder in ihrer Freude am Leben und an der Welt zu bestärken, sie in ihrem religiösen Suchen und Fragen zu unterstützen und ihnen bei der Deutung ihrer Lebenserfahrungen behilflich zu sein.
Sichtbar wird unser kinderpastorales Handeln im bewusst gestalteten Miteinander von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, in dem das konkrete Leben zur Sprache gebracht, reflektiert und gestaltet, gefeiert und bestärkt wird.

Leben mit Kindern teilen
stellt uns vor den Anspruch,

  • Interesse und Anteilnahme für die Alltagssituationen der Kinder zu entwickeln.
  • zu den Kindern belastbare Beziehungen aufzubauen und uns entschieden auf die Seite der Kinder zu stellen.
  • Kinder an unserem eigenen Leben teilhaben zu lassen.

Leben mit Kindern bedenken und entwerfen
stellt uns vor den Anspruch,

  • mit Kindern über das Leben in einer ihnen verständlichen Sprache zu reden.
  • eigene Vorstellungen von einem gelingenden Leben zu entwickeln.
  • die Hoffnungen und Ängste der Kinder ernstnehmen und sich von ihren Bedürfnissen leiten zu lassen.

Leben mit Kindern am Evangelium orientieren
stellt uns vor den Anspruch,

  • uns selbst um eine glaubwürdige Gestaltung einer christlichen Alltagspraxis zu bemühen.
  • uns mit den Kindern auf die Suche nach dem liebenden und befreienden Gott zu machen und uns für seine Nähe offen zu halten.
  • Formen und Methoden zu entwickeln, die Kindern einen ihrer Situation und Entwicklung entsprechenden Zugang zur Bibel ermöglichen.

Leben mit Kindern feiern
stellt uns vor den Anspruch,

  • die Begeisterung der Kinder für Spiel, Fest und Feier zu unterstützen und uns davon leiten zu lassen.
  • im eigenen Alltag bewußt Raum zum Feiern zu schaffen.
  • in allen Bereichen der Jungschar eine Grundhaltung zu entfalten, die den Wert zweckfreien und leistungsungebundenen Tuns schätzt.

Leben mit Kindern weitergeben
stellt uns vor den Anspruch,

  • Kinder darin zu bestärken, daß sie selbst handeln, gestalten und verändern können.
  • uns auf die Seite der Kinder auf der ganzen Welt zu stellen und dort tätig zu werden, wo Kinder arm, entrechtet und ausgebeutet sind, oder ihnen physische und psychische Gewalt angetan wird.
  • mit Kindern solidarisch zu handeln, so daß es auch über den Bereich der Jungschar hinaus für andere Menschen wirksam wird.

Diese Ansprüche beschreiben unser pastorales Bemühen um die Kinder. Schon in jedem einzelnen Schritt verwirklicht sich die Verkündigung der befreienden und frohmachenden christliche Botschaft. Durch das konkrete Engagement von Menschen wird sie für die Kinder erfahrbar. So sind wir ein Heilszeichen für die Welt.

Katholische Jungschar Österreich 1996