Liturgische Kleidung für Ministrantinnen und Ministranten

„Kleider machen Leute“: eine alte Volksweisheit, die bis heute ihre Bedeutung behalten hat und immer wieder gern an passender Stelle zitiert wird. Doch was hat das mit der Kleidung von Ministrantinnen und Ministranten zu tun? Woche für Woche kleidet ihr euch ganz selbstverständlich für euren Dienst am Altar in Ministrantengewänder. Wieso eigentlich? Welche Bedeutung ist mit der Ministrantenkleidung verbunden?

1.Kleidung sagt was aus
„Kleider machen Leute“, sagt man – und meint damit, dass die Kleidung eines Menschen eine Wirkung auf andere hat, und dass die Art und Weise, wie ein Mensch sich kleidet, etwas über ihn aussagt. Kleidung spielt eine wichtige Rolle in unserem Leben und in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen. Jeder hat seinen eigenen Stil. Manche Modegewohnheiten machen wir mit, andere nicht. Wir alle sind darauf bedacht, in unserem Outfit möglichst individuell zu sein. Auch Stimmungen spielen eine Rolle: Sind wir gut drauf, wählen wir beim Griff in den Kleiderschrank vielleicht ein frisches Apfelgrün oder Zitronengelb. Geht es uns schlecht, ist eher Dunkelblau oder Grau angesagt. Wichtig ist, dass wir uns in unserer „zweiten Haut“ wohlfühlen.

Was wir anziehen, sagt aber nicht nur etwas über unsere Befindlichkeit aus, sondern richtet sich auch nach dem bevorstehenden Anlass: Ein Date oder ein Bewerbungsgespräch, eine Einladung zu einer Hochzeitsfeier oder eine Fahrradtour – die Wahl des Outfits wird jeweils unterschiedlich ausfallen. Kleidung hat Signalwirkung auf andere. Sie
kann zeigen, wer wir sind, wie wir uns fühlen, was wir von einer Begegnung erwarten oder wie wir zu anderen Menschen stehen.

Auch in der Liturgie geht es um Beziehungen. Liturgische Gewänder signalisieren der versammelten Gemeinde etwas: Sie weisen auf besondere liturgische Dienste hin und sie heben den besonderen, festlichen Charakter einer liturgischen Feier hervor.

2.Keine Verkleidung
Hattet ihr als Kinder auch so großen Spaß daran, euch zu verkleiden? Bei unserer Oma hatten wir Kinder früher eine Kleiderkiste, aus der wir uns mit ausgedienten Gardinen, Vorhängen, Hüten, Futterstoffen, Anzugjacken, bunten Bändern und Schleifen versorgten und – meistens in Prinzessinnen – verwandelten. Es machte riesigen Spaß, in eine andere Rolle zu schlüpfen und mal jemand ganz anderes zu sein. Interessant war, dass wir uns, waren wir erst als Prinzessin zurechtgemacht, ganz anders bewegten und verhielten als vorher.

In der Liturgie geht es natürlich nicht um sich-Verkleiden. Wir schlüpfen nicht in eine andere Rolle und spielen nicht Theater, auch wenn wir gewissermaßen Teil einer „Inszenierung“ sind. Ein Gewand macht aus uns also keine anderen
und schon gar nicht bessere Menschen. Und dennoch verändert es uns: Wenn ihr als Minis lange Gewänder tragt, bewegt ihr euch automatisch anders als in Jeans oder Mini-Rock, selbst wenn ihr das Gewand über eurer Alltagskleidung
tragt. Ihr geht anders: Schlurfen wird zu Schreiten. Und ihr steht anders: Aus lässigem An-die-Wand-gelehnt-Stehen wird würdiges Aufrecht-Stehen.

3.Beispiel Berufskleidung
Am ehesten ist liturgische Kleidung mit Berufskleidung zu vergleichen, ist sie doch auch eine bestimmte „Dienstkleidung“.
In manchen Berufen muss man Schutzkleidung tragen, entweder weil die Stoffe, mit denen man dabei in Berührung kommt, schmutzig sind oder auch, weil der Job gefährlich ist. Schutzkleidung tragen zum Beispiel Im Krankenhaus, Chemielabor, in der Werkstatt usw.

In anderen Berufen ist die Dienstkleidung nicht zum Schutz da, sondern um bestimmte Funktionen anzuzeigen. Verschiedene Uniformen signalisieren etwa, ob wir es mit Polizistinnen und Polizisten, Feuerwehrleuten, Soldatinnen und Soldaten oder Mitgliedern eines Schützenvereins zu tun haben. Im Kölner Dom tragen die Domschweizer – also die Aufsichtskräfte – lange rote Gewänder, anderswo haben sie Armbinden, damit man sie erkennt. Besonders deutlich wird die Signalwirkung von Dienstkleidung bei Rechtsanwältinnen/Rechtsanwälten und Richterinnen/Richtern: Sie tragen ihre schwarze Robe nicht im Büro, sondern nur vor Gericht. So wird ganz deutlich, dass sie dort – etwa bei einer Urteilsverkündung – nicht als Privatmenschen handeln, sondern in einer ganz bestimmten gesellschaftlichen Funktion. Was sie dort sagen, ist nicht unbedingt ihre eigene Meinung, sondern soll den Gesetzen entsprechen und dem Gemeinwohl dienen.

4.Gottesdienstliche Kleidung
Jahrhundertelang war liturgische Kleidung Kleriker- und damit Männer-Kleidung, denn nur der Klerus, vor allem der Priester, galt als derjenige, der die Liturgie vollzog. Das Zweite Vatikanische Konzil machte jedoch deutlich, dass auch Laien im Gottesdienst einen „wahrhaft liturgischen Dienst vollziehen“. Deshalb ist liturgische Kleidung auch für sie angemessen und sinnvoll, auch wenn es nicht für alle Laiendienste und auch nicht immer notwendig ist, etwa im
kleinen Kreis, in kleinen Räumen oder bei Gottesdiensten an Werktagen.

In vielen Gemeinden ist liturgische Kleidung für Kommunionhelferinnen und Kommunionhelfer und Minis üblich. Sehr wichtig und sinnvoll ist es auch, wenn bei Gottesdiensten, die von beauftragten Laien geleitet werden – etwa Wort-Gottes-Feiern am Sonntag oder Beerdigungen – der Leiter oder die Leiterin ein liturgisches Gewand trägt, wodurch er oder sie als Leiter/-in erkennbar ist. Liturgische Kleidung – für Priester, Diakone und Laien – kennzeichnet so ihr liturgisches Handeln als öffentliches Tun im Auftrag der Kirche. Die individuelle Person tritt hinter den Dienst zurück. Ein liturgisches Gewand zeigt sichtbar, wer im Gottesdienst welche Funktion wahrnimmt: wer die Feier leitet, wer ministriert, wer das Wort Gottes verkündigt und wer bei der Kommunion hilft.

Ganz wichtig ist: Es geht nicht um „Verkleidung“, die aus Leuten etwa bessere Menschen macht. Vielmehr ist ein liturgisches Gewand Kennzeichen dafür, dass sie als Priester, Gottesdienstleiterinnen, Diakone, Kommunionhelferinnen und Kommunionhelfer und Minis in einer gottesdienstlichen Feier im Auftrag der Kirche und für die versammelte Gemeinde einen Dienst ausüben.

5.Individualität contra Gleichmacherei?
Verdecken liturgische Gewänder die Individualität ihrer Trägerinnen und Träger? Sind sie, wie Uniformen, ein Mittel, alle gleichzumachen?
Ja und nein. Sehr starke Unterschiede werden natürlich angeglichen, aber es bleibt – wie ja auch bei Uniformen (zum
Beispiel Schuluniformen) – genug individueller Gestaltungs-Spielraum. Es ist eigentlich eine positive Wirkung: Soziale Unterschiede, die sich vielleicht in der Kleidung zeigen, werden verdeckt. Das trifft auch auf liturgische Gewänder zu – zumal wenn sie über der normalen Kleidung getragen werden. Allzu auffällige individuelle Kleidung, die manch einen Mitfeiernden vielleicht stören würde, fällt nicht mehr so stark auf. Und schließlich unterstützen schöne und gut sitzende Gewänder die ästhetische Seite der Liturgie: Formvollendet synchron vollzogene Kniebeugen in nett anzusehenden Gewändern sind einfach ein schöner Anblick, der sehr zur sinnenfälligen Dimension der Liturgie beiträgt.

6.Die Albe
Das liturgische Grundgewand aller Getauften ist die „Albe“ (lat. alba = „weiß“): ein langes weißes Gewand, das dem Taufkleid entspricht. In der Taufe sind wir alle neu geschaffen worden in Christus, Symbol für diese Neuschöpfung ist
das Eintauchen bzw. Übergossen-Werden mit Wasser. Danach wurde uns ein weißes Taufkleid angezogen als Zeichen dafür, dass wir nun ganz zu Christus gehören, ihn wie ein Kleid über unser Leben gezogen haben:

Jedes Mal, wenn wir eine Albe anziehen, erinnert sie uns daran, dass wir als Getaufte zu Christus gehören und eingeladen sind, ihm in unserem Leben nachzufolgen.

Priester tragen bei der Eucharistiefeier eine einfache Albe, in Taillenhöhe mit dem Zingulum (einer Art Gürtel) gerafft, unter dem Mess-Gewand (der „Kasel“) und Diakone tragen eine Albe unter ihrer „Dalmatik“. Bei anderen Gottesdiensten tragen sie Talar und Chorrock (s. u.) bzw. eine Mantelalbe und darüber die Priester- bzw. Diakonenstola.

Eine Albe können auch alle anderen liturgischen Dienstträger tragen. Als Grundgewand aller Getauften, als ihr „Taufkleid“ steht sie ihnen zu. Form und Schnitt sind variabel. Meist wird es eine Mantelalbe sein, weil die einfache, mit Zingulum gebundene Form, oft sehr nach Untergewand aussieht. Auch der Farbton – eigentlich weiß – kann zwischen naturweiß, hellbeige und hellgrau variieren. Liturgische Kleidung sollte

nicht reich und prunkvoll sein, sondern schlicht und schön, der Person, die sie trägt, passend und dem Dienst, den sie vollzieht, angemessen.

7.Talar und Chorrock (Rochett)
Vielfach wurde für alle liturgischen Laiendienste das einfache Klerikergewand übernommen, bestehend aus langem schwarzen oder roten Talar und kurzem weißen Chorrock (Rochett). Der Chorrock ist eine verkürzte Form der Albe, entspricht somit auch dem Taufkleid aller Getauften und erinnert an den Aufruf zur Christusnachfolge. Talar mit Rochett kennzeichnen allerdings seit alter Zeit den Klerikerstand und sind deshalb für Laien eigentlich unangemessen. Außerdem passen Form und Schnitt Frauen und Mädchen oft nicht. Viele Laien wünschen ein Gewand, das unkomplizierter anzulegen ist und über der normalen Zivilkleidung getragen werden kann. Hier ist die Albe die bessere und stimmigere Lösung.

8.„Kutten“ und Kapuzen?

In vielen Gemeinden sind bereits neue Gewänder für die Minisangeschafft worden. In Katalogen findet man immer häufiger auch die Albenform, oft allerdings als „Kutte“ bezeichnet oder sogar mit Kapuze am Halsausschnitt. Der Begriff „Kutte“ jedoch ist problematisch, bezieht er sich doch auf das Ordenskleid. Kutte wird (neben Habit) das Gewand von Ordensbrüdern oder -schwestern genannt. Ordenskleider haben oft eine Kapuze, die ursprünglich ein Zeichen der Kontemplation und Abgeschiedenheit war: Die übergezogene Kapuze zeigte an, wenn ihr Träger ins Gebet vertieft war und nicht angesprochen werden wollte. Als Ministrantengewand ist eine Albe mit Kapuze daher ebenso unpassend wie Talar mit Chorrock. Beides zeigt einen kirchlichen Stand an, den Minis gar nicht innehaben.

Am angemessensten und sinnvollsten ist die Albe – mit Zingulum gebunden oder als Mantel-Albe. Bei der Anschaffung von Alben für Minis und anderen liturgischen Funktionsträgern ist auf die jeweilige Körperform und -länge zu achten. Schließlich haben liturgische Gewänder auch eine ästhetische Seite. Kleidsamkeit und Passgenauigkeit gehören einfach dazu. Nach der Pubertät brauchen Mädchen andere Gewand-Schnitte als Jungen; am besten ohne Faltenwurf, vorn glatt und hinten oder an den Seiten in Taillenhöhe gerafft bzw. weitenverstellbar. Farbige Akzente entsprechend zum Kirchenjahr können z. B. durch farbige Zingula gesetzt werden.

9.Liturgische Farben
Das Leben ist bunt. Farben sprechen einen der wichtigsten Sinne an: das Sehen. Sie haben direkten Einfluss auf Gefühle und Körperfunktionen. Die liturgischen Farben verdeutlichen den besonderen Charakter der jeweiligen kirchlichen Festtage: Weiß für die Oster- und Weihnachtszeit, für Christus- Feste, Marien-, Engel- und Heiligenfeste (außer   Märtyrer), für die Sakramentenfeiern Taufe, Firmung, Ehe und Weihe. Rot für Palmsonntag, Karfreitag und Kreuzerhöhung, für Apostel- und Märtyrerfeste, für Pfingsten und wahlweise für die Feier der Firmung. Grün für die Zeit im Jahreskreis. Violett für den Advent und die vierzig Tage vor Ostern, möglich auch bei der Liturgie für Verstorbene, für die auch schwarz verwendet werden kann. Rosa als Aufhellung von Violett für den dritten Adventssonntag „Gaudete“ und den  vierten Fastensonntag „Laetare“.

 Quelle: Minibörse. Ideen für die Ministrantinnen- und Ministrantenpastoral, Verlag Haus Altenberg, Ausgabe Nr. 3, 2019.

Ministrantengewänder – Ihr habt Christus angezogen

Gruppenstunde: Dienstkleidung für unsere besondere Funktion in der Liturgie und zugleich Verbindung zur Taufe: Ministrantengewänder

Kurzlexikon: Kleiderordnung auf Katholisch

Von A wie Albe bis Z wie Zingulum werden die Gewänder der Katholischen Kirche übersichtlich vorgestellt. Ergänzend wird die Verwendung der liturgischen Farben erklärt: Kleiderordnung