Spielpädagogik

In der Jungschar spielen, aber warum?

In der Jungschar- und Minigruppe dreht sich Vieles ums Spielen. Und das ist gut so, denn das Spiel ist in unserem Leben so wichtig, wie das tägliche Brot.

Spielen macht Spaß. Im Spielen erleben wir echte Freude und Ausgelassenheit und das weckt Lebensenergie. Denn wer spielt, fühlt sich jung und lebendig. Das weißt du als Gruppenleiterin und Gruppenleiter, denn sicher hast du schon oft verschwitzte Kinder erlebt, die gar nicht genug kriegen können von der Gaudi. Und wer weiß, vielleicht warst du erst vor kurzem bei einem Kurs und hast dich gemeinsam mit den anderen ausgeschüttet vor Lachen.

Im Spiel erleben wir Freiheit! Die Freiwilligkeit ist ein wichtiges Merkmal vom Spiel. Niemand kann uns zum Spielen zwingen und so erleben sich auch die Kinder im Spiel frei und eigenmächtig – eine wichtige Grunderfahrung. Außerdem ist das Spiel selbst nicht auf irgendein Ziel ausgerichtet, sondern vielmehr sollte es auf das Ergebnis, auf das Geschehen im Hier und Jetzt ankommen.

Im Spiel lerne ich spielend! Die Kinder erleben, zeigen und entwickeln im Spiel vielseitige Fähigkeiten. Ganz nebenbei lernen wir, egal ob Kind oder Erwachsener, wichtige Dinge über uns selbst, über unseren Körper und seine Funktionieren, über unser Gehirn und seine Fähigkeiten, über andere Menschen und unser Zusammensein.

Im Spiel begegnen wir uns! Wenn wir miteinander spielen, kommen wir ungezwungen in Kontakt und lernen uns kennen. Im Spiel überwinden wir Grenzen und bauen Brücken zu anderen Menschen, Kulturen und Nationen. Außerdem macht es gerade in der Gruppe Spaß, eigene Fähigkeiten zu zeigen. Die Anerkennung der anderen gibt uns Mut und die Kraft, Neues auszuprobieren und zu wagen.

Quelle: KONTAKT 1 2008/09

Spielkategorien

Es gibt verschiedene Möglichkeiten Spiele einzuteilen. Spiele lassen sich nach Tempo, Zielgruppe, Ziel, Spielmaterialien und vielem Mehr unterscheiden. Wir teilen sie gerne in folgende Kategorien ein:

  • Begrüßen & Kennenlernen
  • Auflockern & Fit werden
  • Bewegen & Austoben
  • Ausruhen & Entspannen
  • Kooperieren & Zusammenhalten
  • Singen & Schreien
  • Abschließen & Verabschieden

Wichtig: Spiele sollten situationsabhängig ausgewählt werden, um gut auf die Bedürfnisse der Kindergruppe eingehen zu können. Und sie sollten die Kinder nicht überfordern, deshalb achte auf die jeweiligen Anforderungen.

Spiele richtig anleiten

Das „DDADA“-Modell ist ein bewährtes Modell, um Spiele gut und klar anzuleiten. Wenn du diese Schritte befolgst, könnt ihr mit dem Spiel schnell loslegen. Eine detailliertere Beschreibung findest du im Downloadbereich (Quelle: „Bewegte Spiele für die Gruppe: Neue Spiele für Jung und Alt, für kleine und große Gruppen, für Drinnen und Draußen und für alle Spielsituationen“ von Alois Hechenberger, Bill Michaelis und John M. O’Connell, Ökotopia Verlag Münster 2001).

D    Describe it (kurz Erklären)

D    Demonstrate it (Vorzeigen)

A     Ask for Questions (Gibt es dazu Fragen?)

D     Do it (Los geht’s!)

A     Adapt it (Verändern, anpassen)

Tipps für Spielleiterinnen und Spielleiter. Wir haben dir hier noch weitere Tipps aufgelistet. Die genaue Beschreibung kannst du im Download nachlesen.

  • Mitspielen!
  • Spielraum sichern
  • Spiel vorzeigen
  • So wie die Spielleiterin und der Spielleiter spielt…
  • Hilfe Goldfisch
  • Spielen solang es Spaß macht!
  • Freiwilligkeit ist angesagt
  • Gruppen teilen
  • Spielestunde, Spielekette & Co
  • Spielschluss

Warum eine Spielgeschichte? Eine Spielgeschichte kann eine Aktion oder ein Spiel interessanter und lebendiger machen. Die Geschichte weckt die Neugier der Kinder, sie schlüpfen in neue Rollen und können darin neue Verhaltensweisen ausprobieren. Kinder mögen auch einfach Geschichten und wenn sie ein Teil davon sind, umso mehr. Es regt die Fantasie der Kinder an und erleichtert ihnen auch das Verständnis von Spielregeln. Kurz; es zahlt sich aus. Ein paar Beispiele von Spielgeschichten findest du im Anhang. Außerdem gibt es im Anhang u.a. eine Spielgeschichtenmappe, die die Katholische Jungschar der Diözese Linz herausgebracht hat.

Gewinnen und verlieren. Es gibt eine Vielzahl an Spielen, deren Ziel darin besteht, zu gewinnen oder zu besiegen. Meist ist der Spielreiz an das Gewinnen gebunden und der Spielspaß geht auf Kosten derer, die verlieren, oder ausscheiden müssen. Solche Spiele sind auf das Gegeneinander und nicht das Miteinander ausgerichtet. Die Kinder fordern aber immer wieder typische „Gewinner-Verlierer-Spiele“. Vielleicht, weil sie hauptsächlich diese kennen oder sie ihnen wichtig sind. Glück und Zufall soll bei solchen Spielen entscheiden bzw. unterschiedliche Talente und Fähigkeiten der Kinder gefordert werden. Bei Fang- und Ausscheidungsspielen gelingt es oft durch einfache Regeländerungen den Spielverlauf so anzulegen, dass weiterhin alle Kinder am Spiel teilnehmen können, z.B. indem diese Kinder für kurze Zeit eine andere Aufgabe im Spiel übernehmen, in eine andere Gruppe wechseln oder als „Störsenderinnen und Störsender“ die anderen ablenken dürfen.

→ Fazit: Für dich als Gruppenleiterin und Gruppenleiter gilt als Auswahlkriterium, dass das Spielen an sich interessant bleiben soll, und nicht die Frage, wer jetzt gewinnen oder verlieren wird.

Kooperative Spiele. Kinder sind in ihrem Alltag mit Konkurrenzsituationen konfrontiert. Dabei ist es keineswegs so, dass uns der Wettbewerb in die Wiege gelegt ist. Menschen sind von Natur aus zielorientiert, allerdings erlernen wir in der Gesellschaft, wie wir diese Ziele erreichen: auf Kosten anderer oder gemeinsam mit ihnen. Wir sind uns bewusst, dass es wichtig ist, dass Kinder mit diesen Konkurrenzsituationen umgehen lernen. Dennoch ist es uns auch wichtig Alternativen aufzuzeigen und somit kooperativen Umgang zu fördern. Wenn dich interessiert, wie du alt bekannte Spiele in kooperationsfördernde Spiele umwandeln kannst, dann lies dir den Artikel „Und gewonnen hat?“ der Katholischen Jungschar der Erzdiözese Wien im Downloadbereich durch. Sie geben einige Beispiele und noch viel Wissenswerte obendrein. Außerdem findest du weitere kooperative Spielideen im Anhang.

Quelle: KONATKT 3 2010/11

Erlebnispädagogik

Erlebnispädagogik – ein Begriff der in aller Munde ist. Wahrscheinlich hast auch du schon mal an der einen oder anderen Aktion teilgenommen, kennst solche Abenteuerspiele oder hast sogar schon mal einen Kurs dazu besucht. Was ist nun aber genau damit gemeint und welchen Platz kann die Erlebnispädagogik in der Jungschar haben? Fest steht: Die Erlebnispädagogik nutzt Gruppen-Erfahrungen in der Natur (Wald, Gebirge, See), um die Persönlichkeit und soziale Kompetenzen zu entwickeln:

  • Achtsamkeit: Erkenne ich, wie es den anderen geht, wie sie sich gerade fühlen?
  • Sorgsamkeit: Was kann ich tun, damit die anderen sich wohl fühlen?
  • Gefühl von Verbundenheit mit der Natur nimmt zu.
  • Selbstvertrauen, Ruhe und Gelassenheit werden gefördert.

Als Begründer der heutigen Erlebnispädagogik gilt Kurt Hahn. Sie setzt dem sonst „verkopften“ Lernen das Erleben und Handeln gegenüber. Sie ist vielfältig in ihren Möglichkeiten, lässt Raum für individuelle Lösungen, ist kreativ und innovativ bei der Gestaltung von Lernprozessen. Die Aufgabenstellung sieht in der Regel so aus, dass die Bewältigung nur durch gemeinsamen Einsatz individueller, sozialer und handwerklicher Fähigkeiten gelingt. Das bedeutet, dass individuelle und gemeinsame Bedürfnisse und Vorstellungen geklärt werden müssen.

Die Reflexion ist ein wichtiger Bestandteil der Erlebnispädagogik. Reflexion heißt gerade Erlebtes noch einmal bewusst machen, um eine Übertragung in den Alltag zu ermöglichen. Konkret wird also darüber gesprochen, was gerade passiert ist und was die einzelnen erlebt haben. Wie ging es mir? Wie ging es den anderen? Die Reflexion möchte dem Einzelnen die Möglichkeit geben, das Erlebte zu verarbeiten, aufzuarbeiten und dies als Ausgangspunkt für ein verändertes Selbstbild zu nehmen, an dem sie oder er anknüpft.

Abenteuer Jungschar. Kinder lieben Abenteuer. In der Jungschar versuchen wir, Kindern Gelegenheit zu geben, Abenteuer in der Gruppenstunde, am Jungscharlager, in der Spielgeschichte zu erleben und Heldinnen und Helden in diesen Abenteuern sein zu können. Abenteuer können wir als eine Form des intensiven Sich-Selbst-Erlebens verstehen. Wir wollen Kindern Erlebnisräume bieten, um die Welt genießerisch erfahren und entdecken zu können. Kinder brauchen diese Abenteuer um sich selbst intensiv erleben zu können und sie brauchen auch die Auseinandersetzung mit der Umwelt.

Das Spannende, Abenteuerliche in vielen Spielen der Kinder entsteht dadurch, dass sie sich im Spiel Ungewissheit und damit auch einem gewissen Risiko aussetzen, welches es im Verlauf des Spieles zu bewältigen gilt. Nachtspiele, Entdeckungsspiele, Erfindungsspiele und Aktionen in unbekannter Umgebung sind meist von sich aus abenteuerlich für Kinder. Bei „Abenteuer-Aktivitäten“ in der Jungschar musst du darauf achten, dass die Ungewissheit des Abenteuers nicht zur Bedrohung wird, die Angst macht. Die Freiheit der Kinder zu entscheiden, was sie möchten und die Freiheit auch „Stopp!“ zu sagen, wenn es waghalsig wird, ist entscheidend. Diese Stopp-Regel in Gruppenprozessen einzuführen gewährleistet, dass auf die Befindlichkeit und Sicherheit jeder einzelnen Person geachtete wird: anhalten, abfragen was los ist und gemeinsam entscheiden, wie es weitergespielt, wie weiter getan wird. Kinder lernen dabei ihre Gefühle auszudrücken und stecken persönliche Grenzen ab.

Quelle: KONTAKT 4 2008/09

Die Jungschar Spiele-App

Kennst du schon die Jungschar Spiele-App? Du kannst sie dir kostenlos im Google Play Store und Apple Store herunterladen. Es gibt also keine Ausrede mehr, denn mit über 2.000 Spielen hast du damit immer ein Ass im Ärmel: https://www.jungschar.at/jungschargruppe/spielesammlung/


Zum Download

Spiele anleiten

Das DDADA-Modell

Spielwelten – Spiele kompetent anleiten

Tipps für Spielleiterinnen und Spielleiter

Kooperative Spiele

Kooperative Spiele – Tipps und Tricks

Better together – kooperative Geländespiele

Und gewonnen hat – aus konkurrenzfördernden Spielen kooperationsfördernde Spiele machen

Spieleketten und Spielgeschichten

Spielgeschichte zum Thema Gib mir meine Zeit zurück

Es war einmal… eine Märchen-Spielgeschichte

Spielgeschichtenmappe der Katholischen Jungschar der Diözese Linz

Erlebnispädagogik

Erlebnispädagogik – von großen Herausforderungen und kleinen Abenteuern

Sicher ohne Angst und Schrecken-Praxismaterial für angstfreies Abendprogramm beim Sommerlager

Spielideen im Allgemeinen

Sing- und Schreibspiele

Spiele aus der ganzen Welt

Spiele für unterwegs

Spiele in der Natur und am Wegesrand

Jedes Spiel zur rechten Zeit – Gruppendynamik, was deine Gruppe gerade braucht

Trau di – erlebnispädagogische Vertrauensspiele

Planspiele – Theorie und Beispiel

Eisige Spiele und Experimentelles

In 80 Tagen um die Welt – spielerisch die Welt entdecken